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Warum eigentlich Bild-hauerei?

  • 6. Aug. 2019
  • 2 Min. Lesezeit

Wenn ich vor einem unbearbeiteten Holzklotz oder einem Stück Stein sitze, frage ich mich oft, warum ich mir gerade diese Tätigkeit ausgesucht habe.

Wenn ich aber anfange mit der Skulptur, dann komme ich in einen eigenen Fluss oder "Flow" wie man neudeutsch sagt. Ich habe ein Bild vor Augen, aber noch keine fertige Form. Ein Bild ist zweidimensional, oft umscharf, schemenhaft. Um zu einer Form werden zu können braucht es ein Modell. Ich beginne darum mit Blähgipsklötzen, die den schönen Namen Ytong tragen. Blähgips ist weich, lässt sich leicht bearbeiten und eignet sich darum für diesen Prozess der Formsuche.

Formsuche mit Ytong

Dreidimensionale Formen müssen von allen Seiten stimmen, es ist ein Herantasten an die Skulptur, und zwar in wörtlichen Sinn. Sie nimmt dreidimensional Gestalt an unter meinen Händen, kristallisiert sich heraus und dann entsteht ein „Bild“, das sich dann bildhauern lässt. Erst nach der Verfertigung des Modells kann es losgehen mit der Schaffung der eigentlichen Skulptur in Holz oder Stein.

Aus dem Block schlagen

Jetzt kommt auch die „Hauerei“ ins Spiel: zu Beginn einer Arbeit muss in aller Regel viel Material abgeschlagen werden. Die Herausforderung besteht darin, aus einem Stück Holz oder einem Steinklotz in einem Abbauprozess in die Form der Skulptur zu finden. Formgebung in der Bildhauerei ist Abbau, aber Achtung: weg ist weg! Ein zu harter Schlag, eine zu tiefe Kerbe und die ganze Fläche muss abgenommen werden. Allenfalls muss ich gar die gesamte Form abändern, damit die Proportionen wieder stimmen. Bildhauerei erfordert darum meine volle Konzentration. Stück für Stück geht weg, langsam in einem guten Rhythmus. Es steckt auch ein meditativer Anteil in diesem Tun. Gleichmässiges, ruhiges fortwährendes Schlagen mit Hammer und Eisen erfordert eine gute Technik ein lockeres Handgelenk, dann schwingt der Hammer und schlägt mit seinem Eigengewicht. Es ist eine schlagende Zusammenarbeit zwischen ihm und mir. Jeder gibt das Optimum und nicht das Maximum, denn schlage ich mit Wucht, brauche ich viel zuviel Kraft und ich ermüde, schlage ich zu wenig, formt sich kaum etwas.

Schleifen bis die Form stimmt

Bildhauerei ist auch eingeteilt in ganz klare Arbeitsschritte, die zum richtigen Zeitpunkt hintereinander erfolgen. Nach der Grobarbeit - dem Schlagen - folgt der Schliff. Verhältnisse, Kanten, Proportionen, Linienführung wollen nun ausgearbeitet sein. Auge und Hand sind jetzt besonders gefragt. In dieser Phase sehe und spüre ich beim Drüberfahren was (noch) nicht stimmt und schleife so lange bis ich mit allen Sinnen „weiss“, dass die Form nun „stimmt“. Dieses Gefühl ist wunderbar, es verleiht dem geschlagenen Stück seine Form. Sie entsteht ganz aus mir heraus....mit rationalem, emotionalem und haptischem Tun. Das Hauen gehört dazu, es schlägt die Rohform aus dem Block, aber ohne das haitische Schleifen und Formen danach, würde kein so vollständiges dreidimensionales und einmaliges Bild in Form der Skulptur entstehen.

Bildhauerei ist harte Arbeit, staubig, mühsam, oft frustrierend und doch eine grosse Freude. Am Ende des Hauens und des Ringens um die Form kommt die Gewissheit: Es hat sich gelohnt!


 
 
 

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